Orte in Kreuzbrück

Orte der Kreuzbrück-Serie

Die Kreuzbrück-Serie entführt ihre Leserinnen und Leser an reale und fiktive Schauplätze in Brandenburg und Berlin — vom beschaulichen Wildau über ein herrschaftliches Gut im preußischen Hinterland bis in die pulsierende Reichshauptstadt. Jeder Ort erzählt seine eigene Geschichte, geprägt von der Epoche, in der die Protagonistinnen ihn erleben.


Wildau bei Berlin — Der Ausgangspunkt

Gegenwart (2004/2006)

Wildau ist eine kleine Gemeinde südöstlich von Berlin im Landkreis Dahme-Spreewald — die Heimat der fünf Freundinnen Alma, Mariella, Vika, Marit und Martha-Elise. Hier kennen sich die Mädchen seit Jahren aus der Schule, hier verbringen sie unbeschwerte Nachmittage in Einfamilienhäusern mit großen Gärten, hier brechen sie zu ihren gemeinsamen Ausflügen auf.

Wildau steht für das moderne, sorglose Leben, das die Freundinnen durch ihre Zeitreise abrupt verlieren. In der Vergangenheit erinnern sie sich immer wieder sehnsuchtsvoll an diesen Ort — an Lagerfeuer im Garten, an Spaziergänge durch das Wohnviertel auf dem leichten Hügel und an den letzten gemeinsamen Abend, bevor alles anders wird.


Kreuzbrück — Das Dorf und das Gut

Das fiktive Dorf Kreuzbrück in der preußischen Provinz Brandenburg ist der Dreh- und Angelpunkt der Serie. Je nach Zeitepoche zeigt es sich von völlig unterschiedlichen Seiten.

Das Gut der Familie von Anten

1896–1897 (Band 1) · 1913–1914 (Band 2)

Das Gutshaus der Familie von Anten bildet das Zentrum von Almas Geschichte: ein herrschaftliches Gebäude mit großer Eingangshalle, dunkelgrün vertäfelten Wänden und repräsentativen Räumen aus dunklem Eichenholz mit roten Samtpolstern. Zum Gut gehören Stallungen auf der linken Seite des Hofes, Wirtschaftsgebäude und ein kleines Gesindehaus. Über einen Dienstboteneingang im Keller gelangt man in die Küche, wo die Bediensteten ihrer schweren Arbeit nachgehen. Abseits des Hofes liegt eine Lichtung am Fluss — ein stiller, verborgener Ort.

Der Hof spiegelt die strenge Klassenhierarchie des ausgehenden 19. Jahrhunderts wider: Jede Abweichung von der Ordnung wird sofort bemerkt. In einer späteren Zeitebene kehrt das Gutshaus zurück — doch nach dem Tod des alten Gutsherrn verwahrlost und von Trauer gezeichnet. Die einstmals imposante Vertäfelung blättert ab, das Arbeitszimmer quillt über von ungeöffneten Briefen. Der Ort, der einst für Macht und Kontrolle stand, wird zum Schauplatz von Verfall und Neuanfang.

Das Dorf

1896 · 1913–1914

Die Dorfkirche ist der gesellschaftliche Mittelpunkt Kreuzbrücks — ob beim Erntedankfest im Herbst oder beim feierlich geschmückten Krippenspiel an Weihnachten. Die Dorfkneipe dient als Rückzugsort und Treffpunkt. Die enge Gemeinschaft mit ihrem Klatsch und Tratsch macht das Dorfleben unentrinnbar: Hier bleibt nichts verborgen.

Im Winter liegt das Dorf unter einer Schneelandschaft, die Kirchenglocke gliedert den Tagesablauf der Bewohner. In Martha-Elises Zeitebene bildet das verschneite Kreuzbrück die Kulisse für aufkeimende Beziehungen und unerwartete Begegnungen mit dem zurückgekehrten Gutsherrn.

Lises Haus

Dezember 1913 – Januar 1914 (Band 2)

Martha-Elise bewohnt mit ihrem kranken Vater Henning, dem Dorflehrer, ein kleines, einfaches Haus im Dorf. Die Räume sind knapp und karg; im Winter zieht die Kälte durch die Wände, sodass früh Feuer gemacht werden muss. Die Küche ist der wärmste und lebendigste Raum — hier spielen sich die zentralen Begegnungen ab. Das Haus steht für Lises Situation insgesamt: ein Leben in beengten Verhältnissen, das nach außen hin tadellos wirken muss.


Berlin — Die Reichshauptstadt

Die Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs ist vor allem Mariellas Welt — eine Stadt der Gegensätze zwischen großbürgerlichem Glanz und bescheidenen Arbeitervierteln, zwischen wissenschaftlichem Aufbruch und gesellschaftlicher Enge.

Dahlem

August–September 1912 (Band 1)

Berlin-Dahlem ist ein ruhiges, grünes Villenviertel am Stadtrand, das sich deutlich vom Trubel der Innenstadt unterscheidet. Mariella lebt hier als Adoptivtochter eines Professors in einem bürgerlichen, angesehenen Haushalt. In einem nahegelegenen Park kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung, die Mariellas Entschluss zum Studium maßgeblich befeuert. Das gerade entstehende Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie macht Dahlem zu einem Mittelpunkt der deutschen Wissenschaft dieser Zeit.

Unter den Linden und die Friedrichstraße

September–Oktober 1912 (Band 1 · Band 2)

Die Prachtstraße Unter den Linden im Herzen der Reichshauptstadt wird zum Schauplatz von Mariellas Eheleben. Eine großzügige, lichtdurchflutete Fünf-Zimmer-Wohnung nahe der Friedrichstraße und der Universität — äußerlich das Ideal des gutbürgerlichen Lebens. Doch für Mariella wird sie zum goldenen Käfig: Die Nähe zur Universität macht die Wohnung zum Symbol ihrer unerfüllten Bildungssehnsucht und zum Ausgangspunkt für einen gewagten Schritt in die Selbstbestimmung.

Die Friedrich-Wilhelm-Universität

Oktober 1912 (Band 1 · Band 2)

Die renommierte Berliner Universität an der Straße Unter den Linden — die heutige Humboldt-Universität — ist das Ziel von Mariellas größtem Traum. Seit 1908 dürfen Frauen in Preußen offiziell studieren, ein revolutionärer Schritt, den Mariella für sich nutzen will. Das Immatrikulationsbüro mit seinem strengen Sachbearbeiter wird zum Schauplatz eines waghalsigen Schrittes — und einer unverhofften Wiederbegegnung. Die prunkvollen Flure und Hörsäle kontrastieren mit der heimlichen, angespannten Art, in der sich die Protagonistinnen hier bewegen.

Die Kaffeehäuser Berlins

Oktober 1912 (Band 2)

Zwei Kaffeehäuser spielen eine besondere Rolle in Mariellas Geschichte. Ein kleines, gemütliches Café nahe der Universität mit bequemen Samtsesseln wird nach einem Regenschauer zum Zufluchtsort — und zum Beginn einer unerwarteten Begegnung. Das berühmte Café Josty am belebten Potsdamer Platz bietet paradoxerweise mehr Anonymität als ein stilles Lokal in Universitätsnähe: Hier werden wöchentliche Treffen zum heimlichen Ritual. Beide Orte stehen für kleine, erkämpfte Freiräume inmitten einer Gesellschaft, in der eine Frau nicht unbeobachtet ihren eigenen Weg gehen durfte.

Moabit

Oktober 1912 (Band 2)

Moabit ist ein Arbeiterstadtteil im Zentrum Berlins, zur Kaiserzeit bekannt für seine engen Mietskasernen und bescheidenen Lebensverhältnisse. Marit teilt sich hier ein einfaches Zimmer — bei der enormen Wohnungsnot in Berlin gilt schon das als Glück. Der Stadtteil steht für das nüchterne, entbehrungsreiche Leben jener Frauen, die ohne familiären Rückhalt ihren Weg in die Selbstständigkeit suchen — ein scharfer Kontrast zum großbürgerlichen Berlin Unter den Linden.

Das Hygieneinstitut und der Anhalter Bahnhof

April–Mai 1897 (Band 2)

Das Preußische Institut für Infektionskrankheiten wird zu Almas Wirkungsstätte in Berlin. Hier arbeitet sie an bahnbrechenden wissenschaftlichen Versuchen. In angemieteten S-Bahn-Bögen in der Nähe befinden sich Versuchsställe. Der Anhalter Bahnhof — einer der größten Kopfbahnhöfe des Deutschen Reiches — mit seinem Dampfnebel und dem Gedränge der Reisenden ist ein Symbol für Aufbruch und Ankunft. Beide Orte stehen für Almas vorsichtigen Neuanfang in der Großstadt.


Oranienburg — Das Lehrerinnenseminar

August 1913 – Januar 1914 (Band 1 · Band 2)

Das Lehrerinnenseminar in Oranienburg, einer Kleinstadt nördlich von Berlin, ist ein großes, mehrstöckiges Jugendstilgebäude, in dem Seminarräume, Schlafsäle und Büros unter einem Dach vereint sind. Direkt daneben befindet sich eine Übungsschule, in der ausschließlich Mädchen unterrichtet werden.

Die Schlafsäle unter dem Dach mit bis zu 15 Betten in Reih und Glied bieten kaum Privatsphäre. Die gefängnisähnlichen Regeln des Internatsalltags erdrücken jegliche Romantik. Hier kämpft Martha-Elise täglich darum, sich in einer streng hierarchischen Gemeinschaft junger Frauen zu behaupten. Dass sie nicht aus dem Bildungsbürgertum stammt, macht sie zur Außenseiterin.

Doch genau in diesem Umfeld der Pflicht und Enge fasst Lise eines Nachts, beim Lesen eines Briefes im fahlen Mondlicht eines kleinen Dachfensters, einen Entschluss, der die Geschichte wendet.


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